anonym bloggen wie

Anonym bloggen – Geht das überhaupt?

Anonym bloggen wollen oft Blogger, die gerade erst ihren eigenen kleinen Blog aufgesetzt haben. Der Wunsch nach Privatsphäre ist schließlich ziemlich groß. Willst du auch lieber anonym bloggen? Warum das (zumindest in Deutschland) eher nicht klappen wird, du dir aber dennoch einen gewissen Schutz aufbauen kannst, erkläre ich dir in diesem Artikel.

Anonym bloggen – Wieso eigentlich?

 

Hast du schon mal in die Bloggergruppen bei Facebook geschaut? Hin und wieder kommt dort die Frage auf, wie man denn als Blogger das Impressum umgehen oder generell anonym bloggen könnte. Sehr häufig wird auf den Wunsch nach Anonymität mit Gegenfragen gekontert:

Hast du etwas zu verbergen? Wenn du hinter deinem Blog stehst, dann kann doch auch dein Name (und deine Adresse, Telefonnummer etc.) öffentlich sichtbar sein! Oder hast du etwas Illegales vor? So ganz seriös ist dein Blog ja dann nicht!

Und – ein Klassiker: „Wenn du anonym sein willst, dann schalte dein Internet ab!“

Dabei gibt es auch gute Gründe, seine Adresse eben nicht im Netz verbreiten zu wollen. Als Beispiel seien eben die jungen Blogger genannt, die sich (noch) nicht trauen, sich im Netz zu zeigen. Schließlich wird uns immer eingetrichtert, private Daten zu schützen. In den seltensten Fällen stecken dubiose Absichten oder unseriöse Inhalte dahinter. Einer der häufigsten Gründe für anonymes Bloggen ist übrigens, dass man nicht vom Arbeitgeber oder anderen Personen im Netz gefunden werden will.

Aber ist anonymes Bloggen erlaubt? Ist es überhaupt möglich?

Anonym bloggen wie geht das tipps

Warum anonym Bloggen nicht funktioniert

Gänzlich anonymes Bloggen ist aus zweierlei Gründen kaum möglich: Die rechtlichen Bedingungen für Blogger in Deutschland sind zum einen recht streng und nahezu eindeutig. Aber auch die technischen Hintergründe erschweren es, vollkommen anonym zu sein.

1. Impressumspflicht

Wenn du öffentlich bloggst, kannst du in der Regel davon ausgehen, dass du zur Bereithaltung eines Impressums verpflichtet bist. Die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen sind für dich § 5 TMG und § 55 Abs. 2 RStV. Wenn du dich genauer mit dem Impressum beschäftigen willst (und das solltest du), dann empfehle ich immer die Themenseite von Rechtsanwalt Schwenke.

Mit einem Impressum ist somit anonymes Bloggen schon aus rechtlicher Sicht nicht möglich. Du kannst es aber wenigstens aus Google ausschließen. Lies dazu weiter unten, wie das geht.

2. Who Is Daten

Wenn du eine eigene Domain hast, musstest du bei deren Anmeldung bereits deine privaten Daten preisgeben. Aber wusstest du auch, dass genau diese Daten im Normalfall im Internet einsehbar sind? Das läuft über eine ziemlich einfache WhoIs-Abfrage.

Hast du eine .de-Domain, wird sie von der Denic verwaltet. Dort kann jedoch jeder Internetuser reinschauen und durch wenige Klicks rausfinden, wer hinter einer bestimmten Domain steckt. Hast du dort deine echten Daten angegeben (was Vertragsbedingung ist!) sind sie schnell herausgefunden. Das gleiche gilt auch für andere Domainendungen. Bei .com, .org und Co. gibt es sogar Datengrabber, die die vollständigen Who-Is-Daten veröffentlicht und somit bei Google verbreitet haben.

Selbst wenn du also kein Impressum angeben willst, sind alle deine Angaben über wenige Klicks aufrufbar – sofern du eine eigene Domain hast. Nutzt du z.B. die üblichen Freehoster (blogspot oder WordPress.com), hast du zumindest dieses Problem nicht. Die meisten Blogger wollen jedoch mit der Zeit doch lieber eine eigene Domain haben. Dann solltest du es einfach im Hinterkopf behalten.

So schützt du deine Daten trotzdem – zumindest ein wenig

1. No-Index: Schließe die Suchmaschinen von deiner Impressumsseite aus

Wie du nun weißt, kommst du aus rechtlicher Sicht in der Regel nicht daran vorbei, ein Impressum und damit deine Daten anzugeben. Du kannst aber mit einigen technischen Kniffen dafür sorgen, dass es zumindest bei Google nicht entdeckt wird – so erscheint dein Blog nicht in der Suche, wenn jemand deinen Namen eintippt:

Dazu nutzt du einfach die No-Index-Funktion. Hast du dein Impressum als Seite angelegt, kannst du einstellen, dass sie nicht von den Suchmaschinen wie Google indexiert (aufgenommen) wird.

Für Blogger (blogspot)

Blogger hat es seit einiger Zeit einfacher gemacht, bestimmte Seiten aus dem Index auszuschließen. Dazu gehst du wie folgt vor:

  1. Zunächst musst du die Benutzerdefinierten Robots-Header-Tags aktivieren.
    Dazu gehst du in deinem Dashboard links auf Einstellungen –> Sucheinstellungen. Unter Crawler und Indexierung wählst du Benutzerdefinierte Robots-Header-Tags bearbeiten und aktivierst sie mit einem Ja. Du musst hier keine weiteren Haken setzen!
  2. Jetzt wählst du deine Impressumsseite und bearbeitest sie. In den Seiteneinstellungen auf der rechten Seite ist nun die Option Benutzerdefinierte Robots-Header-Tags dazu gekommen. Hier kannst du nun noindex anhaken. (Falls das nicht auf Anhieb funktioniert, musst du zuerst den Haken bei default rausnehmen).
  3. Klick auf Fertig und Aktualisieren – und deine Impressumsseite wird nicht mehr in den Suchmaschinenindex aufgenommen.

Für WordPress.org

Am einfachsten funktioniert das über ein SEO-Plugin wie z.B. YOAST. Hast du es installiert, kannst du beim Bearbeiten der Impressumsseite unter „Meta Robots Index“ die Seite auf noindex setzen. Diese Funktion bieten auch andere SEO-Plugins wie die bekannten wpSEO und All in One SEO Pack.
Willst du kein Plugin dafür nutzen und lieber selbst am Code spielen, findest du hier eine schöne Anleitung, was du in die header.php eintragen kannst.

Für WordPress.com

WordPress.com-User haben an dieser Stelle wohl ein kleines Problem: Wer das kostenlose Hosting nutzt, kann keine Plugins installieren und hat (meinen Recherchen nach) auch keinen Zugriff auf Template-Dateien und meta tags. Die einzige Möglichkeit, die Impressumsseite zu verstecken, wäre sie auf Privat oder Passwortgeschützt zu setzen – was aber rechtlich nicht zulässig wäre!
Falls du etwas Genaueres weißt, schreib’s mir bitte in die Kommentare.

Doch Vorsicht: Es sollten sich zwar alle seriösen Suchmaschinen an noindex halten, müssen sie aber nicht…
Außerdem: Sollte die Seite schon veröffentlicht gewesen sein, dann ist sie möglicherweise bereits indexiert. Entfernen lässt sie sich dann aber über die Search Console. Hast du dort deinen Blog angemeldet, kannst du Google über die Funktion „URLs entfernen“ melden, dass z.B. deine Impressumsseite aus dem Index gelöscht werden soll.

2. WhoIs-Privacy

Einige Domain-Registrare bieten gegen einen Aufpreis die Möglichkeit der sogenannten WhoIs-Privacy oder WhoIs-Protection. Dabei setzen sie ihre Daten in die Inhaberdaten anstelle deiner Kontaktdaten. Die Preise variieren hier von Anbieter zu Anbieter und auch von Domainendung zu Domainendung.
Bekannte Anbieter sind in diesem Bereich wohl godaddy und namecheap. Gute Erfahrungen habe ich außerdem mit inwx.de gemacht.

Ausnahme: Für .de-Domains funktioniert das nicht.

3. Was gibst du sonst noch über dich preis?

Es ist manchmal erstaunlich, dass Menschen anonym bloggen wollen, aber auf Instagram, Facebook, Snapchat & Co. ihren gesamten Tagesablauf bekannt machen. Oder gerade deswegen ihre privaten Daten nicht herausrücken wollen.
Deswegen möchte ich diesen Artikel auch mit diesem Punkt schließen. Denn nicht nur deine Adresse gehört zu deinen persönlichen Daten. Auch dein Gesicht, deine Arbeitsstelle, deine Freunde – eben alles, worüber du dich selbst identifizierst. Denk also daran, auch diese Sachen zu schützen.

Wie stehst du zum anonymen Bloggen? Triffst du oben genannte oder sogar andere Schutzmaßnahmen für deine privaten Daten?

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